Aufgabenstellung in diesem Jahr war es, ein Unterwasser-Restaurant und -Veranstaltungsort
als schwimmendes Gebäude vor einer kroatischen Insel von Grund auf zu planen, in digitale
Form zu bringen und mit multimedialen Präsentationsmitteln aufzubereiten. Hierzu haben die
Studierenden einen Teilbereich des Bauwerks mit Hilfe des „wavefront“- Messebausystems von
5eyes nachgebaut. Durch eine in 3D simulierte virtuelle Umgebung - erweitert mit Ton, Licht,
Duft und realen Videoszenen - wird dem interessierten Besucher ein Ort zum Entdecken, Staunen
und Verweilen geboten. Darüber hinaus haben Architekturstundenten
der FH Aachen verschiedene Modelle zu diesem Thema entwickelt, welche im Rahmen dieses Projektes
ausgestellt werden.
Einige Studierende dieser Projektgruppe haben sich über ein halbes Jahr damit beschäftigt,
den futuristischen Entwurf eines „submarinen“ Restaurants mit der dazugehörigen Wasserlandschaft
mittels Computeranimation umzusetzen. Es entstand ein 10-minütige 3D-Movie, in dem eine
Kamerafahrt um und im Restaurant enthalten ist, - sowie das eigentliche Highlight, der Stand
in Realgröße auf der Boot 2004. Um einen entsprechenden Realismus des Restaurant-Ausschnittes
auf der Messe erreichen zu können, wurden im Restaurantbereich Blueboxaufnahmen präsentiert,
bei der die die Detailtreue auf hohem Niveau gehalten wurde.
Projektteam:
Achim Strommenger
Patrick Mierczuk
Frank Schweizerhof
Andre Wammers
Thomas Lier
Robert Altpass
Dennis Presche
Felix Ulber
Unterwasser-Restaurant in den Kornaten
– Kroatien
Nationalpark „Kornati“:
Sie kennen den Nationalpark „Kornati“ nicht, dieses etwa 12
000 Jahre alte Naturschauspiel aus unzählig vielen kleinen und großen
Inseln vor der Dalmatinischen Küste im Adriatischen Meer, diese vielgestaltigen
Perlenketten aus bizarren Felsgesteinen?
„Am letzten Schöpfungstag wollte Gott sein Werk krönen und
aus einer Mischung von Tränen, Sternen und Wind schuf er die Kornaten“
(Georg Bernhard Shaw nach einem Besuch der Inselgruppe).
Die verkarsteten, fast vegetationslosen Eilande sind ertrunkene Hügel
aus der letzten Eiszeit. Dort, wo sich vor 20000 Jahren tiefe Täler
erstreckten, sind heute Meerengen zu finden: aus den Bergkuppen sind Inseln,
Inselchen und kleine, für die Schifffahrt zum Teil gefährliche
Felsenriffe geworden.
Fauna und Flora:
Der größte Teil des Archipels (70 qkm Land und 200 qkm Meeresfläche)
ist heute Landschaftsschutzgebiet. Durch exzessive Schafzucht ist die Flora
ziemlich verkümmert. Die Inseln sind kahl oder nur mit spärlicher
Vegetation von Polsterpflanzen überzogen. Das Meer hingegen birgt
eine außergewöhnlich reiche Fauna und Flora. 350 Pflanzen und
300 Tierarten, d.h. der größte Teil mediterraner Fische und Kopffüßler
ist hier vertreten.
Das „Unterwasser-Restaurant“:
Was liegt näher, als diese phantastische Unterwasserwelt für Wassertouristen
kontrolliert erlebbar zu machen, ohne dass allerorts Tauchschulen die Unterwasserflora
und –fauna (zer)stören. Deshalb haben wir, Architekturstudent(inn)en
der FH Aachen - gewissermaßen als Ergänzung zu den bereits bestehenden
„Marinas“ (Sportboothäfen) und „Konobas“ (privat
bewirtschaftete, kleine Gaststätten, die verstreut an einigen Inselufern
liegen) - schwimmende Restaurants entworfen, welche unter der Wasseroberfläche
liegen und die Beobachtung der vielfältigen Unterwasserwelt des Naturschutzparks
ermöglichen.
Zusätzlich zum Restaurant wird ein Überwasser-Café mit
Aussichtsterrassen eingerichtet, von wo aus die „Seefahrer“
dieses einmalige Inselarchipel im Spiel von Licht und Wetter im Meer erleben
können.
Die Gastronomie wird ergänzt durch ein Informationszentrum, welches
über die Entstehung, die Menschen und ihrer Kultur sowie
über die Fauna und Flora – über und vor allem unter Wasser – anschaulich
und multimedial berichtet.
Segler und Motorbootfahrer, aber auch Besucher der Touristenschiffe vom Festland können
hier wie in einer Marina an Schwimmstegen festmachen und auf Wunsch auch
hier übernachten, was bei stockfinsterer Nacht und nach einem ausgiebigen
„dobro veçerati“ (guten Abendessen) mit „Postup“
(Dalmatinischer Rotwein) und einem „Maraschino“ (Likör)
aus Zadar zum Abschluss auch überlebensnotwendig ist.
Unsere Architekturen sind schwimmend an Stahlseilen in geeigneten Buchten
am Meeresgrund verankert und können nur mit Schiffen erreicht werden.
Bei Bedarf sind sie zu anderen Buchten oder Küstenstrichen mit Seeschleppern
translozierbar.
Diese vom Land abgenabelte und damit so besonders reizvolle Lage bedingt
eine weitestgehend autarke Energie- und Wasserver- und entsorgung. Elektrische
Energie, die vor allem auch zur Be- und Entlüftung des Unterwasser-Restaurants
mit seiner „Erlebnisküche“ (auf „neudeutsch“
mit sog. „show-cooking“) erforderlich ist, wird über einen
mit Flüssiggas betriebenen Generator erzeugt. Zusätzlich wird
regenerativ über in die Dachflächen der Baukörper integrierte
Fotovoltaik-Solarmodule elektrischer Strom für Beleuchtung –
auch der Ausstellung im Kornaten-Informationszentrum – erzeugt. Und
wenn – vielleicht in einigen Jahren – eines unserer Unterwasser-Restaurants
wirklich realisiert werden sollte, dann können wir elektrischen Strom
mit bezahlbarer und technisch ausgereifter Brennstoffzellentechnik erzeugen.
Mit dem Gas aus einem von einem Versorgungsschiff gelegentlich aufgefüllten
Flüssiggastank wird auch gekocht, was von professionellen Köchen
besonders geschätzt wird.
Trinkwasser wird über eine entsprechend dimensionierte Entsalzungsanlage
gewonnen; warmes Brauchwasser kann in ausreichender Menge mit Solarkollektoren
hergestellt werden. Ebenso wird das Abwasser mit modernster Technik wieder
aufbereitet, wie sie teilweise bereits auch auf großen Kreuzfahrtschiffen
Standard ist.
Entwurfspräsentation - Hinweise zur „Selbstbedienung“
Stellen Sie sich vor: Sie befinden sich jetzt auf der Decksplanke eines
in der Dünung der Adria dahinschwankenden Schiffes. Nein, Sie widersetzen
sich nicht, im Gegenteil: Sie nehmen die Schwankungen unter Ihnen mit Ihrem
ganzen Körper auf, und da geschieht es: Sie tauchen ein in eine erlebnisreiche,
virtuelle Reise durch unsere Unter- (aber auch Über-)wasser-Architekturen.
Und sollten Sie sich bis zum Unterwasser-Restaurant „hindurchgeschwankt“
haben, ohne seekrank geworden zu sein, dann wünschen wir Ihnen von
ganzem Herzen einen guten (virtuellen) Appetit!
Prof. J.Karrenbrock – Fachbereich Architektur / FH Aachen
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Kleine „Erlebnisanmerkungen“ zu den Entwürfen
Wir haben die hier vorgestellten fünf Entwürfe mit einem auf die jeweilige Entwurfsidee bezogenen „Eigennamen“ charakterisiert. Diese sind –was liegt näher- überwiegend aus dem maritimen Vokabular entlehnt:
1 - Disco Volante:
Der machtbesessene LARGO konnte nicht verhindern, dass Sie – alias James Bond- sich seines futuristischen Schiffes bemächtigt haben und nun die verschiedenen Decks erkunden. Inzwischen ist LARGO längst ausgeschaltet und so können Sie entspannt auf einer der Freiterrassen das alltägliche und doch immer wieder so imposante Schauspiel verfolgen, wie der „FEUERBALL“ am abendlichen Horizont im Meer erlischt.
2 – Perlmuschel:
Die Muschel hat sich zum Besucher hin geöffnet und gewährt großzügigen Lichteinfall und Einblick:
Sie beobachten, wie auf der seidig glänzenden Oberfläche der Muschel-perle sich das Leben im Meer widerspiegelt. Sie tauchen in das Innere der Perle ein und erleben die Fauna und Flora der Kornaten, ihre Entstehung und die Bedeutung des Nationalparks.
3 – Konvex - Konkav:
Lassen Sie sich einfangen von einer raffinierten, dreidimensionalen Körper- und Raumkomposition mit konvexen und konkaven Flächen und Formen. Genießen Sie einen Espresso auf einer der Freiterrassen unter schützenden Sonnensegeln. Und erleben Sie die dreidimensionale Durchdringung der Innenräume, wodurch das „Denken in Ebenen“ nebensächlich wird.
4 – Wiege des Moses:
Wie einst Moses als ausgesetztes Kind in einem Schilfkorb auf dem Nil schwamm und von der Tochter des Pharaos (oder war es sogar seine Frau?) entdeckt und aufgenommen wurde, so erleben Sie diesen Entwurf, der aus zwei zueinandergekehrten, wiegen-förmigen Halbschalen besteht. Über die Wendeltreppe am Eingang tauchen Sie physisch-virtuell hinein in die Unterwasser - welt der Kornaten und beobachten durch raumhohe Bullaugen im Unterwasser-Restaurants, wie Ihnen die Tintenfische fast „über den Teller schwimmen“.
5 – Euclena viridis :
Wie ein Einzeller mit Körper und Schwanz schwimmt dieser Entwurf in einer langgestreckten Bucht. Ein verglastes Halbkugel-Segment bildet als Stahlnetzkonstruktion die filigrane, transluzente Hülle. Über eine lange Rampe können Sie direkt von außen zum Café im Obergeschoss gelangen, sich erfrischen und auf einem Weg von oben nach unten in die Unterwasserwelt eintauchen.
6 – Seezeichen:
Fast wie ein „Kardinalzeichen“ ragt -weithin sichtbar- der verglaste Kegel über die Wasseroberfläche hinaus. Und wie von einem Schwimmring umgeben, können Sie hier das Seezeichen umrunden, das Kornaten-Informationszentrum besuchen oder aber die Unterwasser-Erlebnis-Gastronomie genießen.
7 – Volvox:
Hier ist der kugelförmige Einzeller Namenspate. Mehrere ringförmige, konzentrisch angeordnete Erlebnisebenen ziehen Sie als Besucher in den Bann des räumlichen Geschehens. Hoffentlich wird Ihnen nicht schwindelig und verlieren die Orientierung! Aber ganz oben angekommen, werden Sie mit einem phantastischen und unvergesslichen Rundblick über die Kornaten belohnt.