19.05.2012

 
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Rheinische Post, 17.8.02

"Schimanskis Privatwelt" - in den Garten des Malkastens projiziert.

Der Kommissar allein zu Haus

Eine Schimanski-Episode ganz ohne "Sch..." - gibt´s das? Für Sprachmoralisten und Fans des Duisburger Hauptkommissars gleichermaßen ist nun ein Glücksfall eingetreten: Der Ruhrpott-Beamte tritt in einem Kurzfilm auf. Drehort war Schimanskis Wohnung - und die ist bereits ein Meisterwerk für sich. Aufwändig entworfen wurde sie von "Tatort"- Ausstatter Jochen Schumacher für das Duisburger Kunstprojekt "X-Wohnungen". Und da seine Bude schon mal stand, gab sich auch Götz George die Ehre.
Hinter der Kamera: Der Student Cem Arslan. " Eine totale Überraschung, dass die mir die Kamera übertragen haben", berichtet der 25-jährige. "Götz George kam rein, fragte wer die Aufnahmen macht, und man zeigte auf mich. Dabei war ich anfangs nur für den Schnitt vorgesehen. Ich wurde extrem nervös".

Doch Cem´s Hand an der Kamera beruhigte sich schnell, erklärt der junge Künstler, der an der Fachhochschule Düsseldorf Medientechnik studiert. "Anfangs habe ich kleine Fehler gemacht; Götz George war aber sehr gespannt, hat mir Tipps gegeben. Nach ein paar Stunden waren wir eine Einheit: Wir wussten, wie wir bewegungstechnisch aufeinander achten mussten; dadurch entstand die fließende Kameraführung des Films".

Der fünfminütige Schimanski-Auftritt findet an nur einem einzigen Tatort statt: der erwartungsgemäß ziemlich versifften Behausung des Kriminalbeamten. Obwohl dieser ausnahmsweise nichts sagt, handelt es sich bei Arslan´s Werk keineswegs um einen Stummfilm; zu hören ist vielmehr ein Anrufbeantworter, den "Schimmi" abhört, nachdem er abgekämpft sein Apartment betreten hat. Die Kamera des jungen Düsseldorfers filmt den Kommissar bei seinen Alltagsverrichtungen - er sichtet Rechnungen, spuckt ins Spülbecken, legt sich mit Schuhen aufs Bett, begleitet die Telefon-Nachrichten mit Augenrollen. Leise, saufend, authentisch - aber ungewohnt.

Dass Schimanski manchmal ein aufgeblasener Typ sein kann, war nicht unbedingt Ursache für die ungewöhnliche Leinwand, auf der das Werk zu sehen ist. Der Film wird derzeit allabendlich auf einen Wetterballon (Durchmesser drei Meter) projiziert, der über dem Venussee des Malkastens schwebt.
Stefan Gille, technische Leitung: "Mit einem Beamer werden Filme der Malkasten-Künstler, auch die Kunstfilme des Tiefsee-Projekts "Ultramarine" sowie natürlich "Schimanskis Privatwelt" auf den Ballon projiziert. Daraus ergibt sich ein ungewohntes Seh-Erlebnis; der See spiegelt und der Ballon wölbt die Filme."

Achim Zolke

 


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