"Schimanskis Privatwelt" - in den Garten des Malkastens projiziert.
Der Kommissar allein zu Haus
Eine Schimanski-Episode ganz ohne "Sch..." - gibt´s das?
Für Sprachmoralisten und Fans des Duisburger Hauptkommissars gleichermaßen
ist nun ein Glücksfall eingetreten: Der Ruhrpott-Beamte tritt in einem
Kurzfilm auf. Drehort war Schimanskis Wohnung - und die ist bereits ein
Meisterwerk für sich. Aufwändig entworfen wurde sie von "Tatort"-
Ausstatter Jochen Schumacher für das Duisburger Kunstprojekt "X-Wohnungen".
Und da seine Bude schon mal stand, gab sich auch Götz George die Ehre.
Hinter der Kamera: Der Student Cem Arslan. " Eine totale Überraschung,
dass die mir die Kamera übertragen haben", berichtet der 25-jährige.
"Götz George kam rein, fragte wer die Aufnahmen macht, und man
zeigte auf mich. Dabei war ich anfangs nur für den Schnitt vorgesehen.
Ich wurde extrem nervös".
Doch Cem´s Hand an der Kamera beruhigte sich schnell, erklärt
der junge Künstler, der an der Fachhochschule Düsseldorf Medientechnik
studiert. "Anfangs habe ich kleine Fehler gemacht; Götz George
war aber sehr gespannt, hat mir Tipps gegeben. Nach ein paar Stunden waren
wir eine Einheit: Wir wussten, wie wir bewegungstechnisch aufeinander achten
mussten; dadurch entstand die fließende Kameraführung des Films".
Der fünfminütige Schimanski-Auftritt findet an nur einem einzigen
Tatort statt: der erwartungsgemäß ziemlich versifften Behausung
des Kriminalbeamten. Obwohl dieser ausnahmsweise nichts sagt, handelt es
sich bei Arslan´s Werk keineswegs um einen Stummfilm; zu hören
ist vielmehr ein Anrufbeantworter, den "Schimmi" abhört,
nachdem er abgekämpft sein Apartment betreten hat. Die Kamera des jungen
Düsseldorfers filmt den Kommissar bei seinen Alltagsverrichtungen -
er sichtet Rechnungen, spuckt ins Spülbecken, legt sich mit Schuhen
aufs Bett, begleitet die Telefon-Nachrichten mit Augenrollen. Leise, saufend,
authentisch - aber ungewohnt.
Dass Schimanski manchmal ein aufgeblasener Typ sein kann, war nicht unbedingt
Ursache für die ungewöhnliche Leinwand, auf der das Werk zu sehen
ist. Der Film wird derzeit allabendlich auf einen Wetterballon (Durchmesser
drei Meter) projiziert, der über dem Venussee des Malkastens schwebt.
Stefan Gille, technische Leitung: "Mit einem Beamer werden Filme der
Malkasten-Künstler, auch die Kunstfilme des Tiefsee-Projekts "Ultramarine"
sowie natürlich "Schimanskis Privatwelt" auf den Ballon projiziert.
Daraus ergibt sich ein ungewohntes Seh-Erlebnis; der See spiegelt und der
Ballon wölbt die Filme."